Die Mieter-Selbstauskunft ist oft der erste Eindruck, den ein Vermieter von dir bekommt - noch bevor er dich persönlich kennenlernt. Wer hier vollständig, ehrlich und sauber auftritt, hebt sich von der Masse ab. Gleichzeitig kursieren auf Bewerbungsbögen immer wieder Fragen, die der Vermieter gar nicht stellen darf. Dieser Ratgeber zeigt dir, was in die Selbstauskunft gehört, welche Angaben freiwillig sind, welche Fragen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verbietet - und warum du auf unzulässige Fragen nach überwiegender Ansicht sogar falsch antworten darfst.
Was ist eine Mieter-Selbstauskunft überhaupt?
Die Selbstauskunft - manchmal auch „Mieterselbstauskunft" oder „Bewerberfragebogen" genannt - ist ein Formular, mit dem du dem Vermieter die für die Vermietung wesentlichen Angaben über dich machst. Sie hilft ihm einzuschätzen, ob du zur Wohnung passt und ob die Miete künftig zuverlässig fließt. Eine gesetzliche Pflicht, eine Selbstauskunft auszufüllen, gibt es nicht. In der Praxis ist sie aber zum Standard geworden: Wer das Formular nicht oder nur lückenhaft ausfüllt, wird bei der Auswahl meist übergangen. Anders ist es bei der Mietschuldenfreiheitsbescheinigung: Dein bisheriger Vermieter muss sie nicht ausstellen (BGH, Urteil vom 30.09.2009, VIII ZR 238/08), und ein neuer Vermieter darf sie nach Auffassung der Datenschutzbehörden auch nicht verlangen. Legst du sie freiwillig bei, kann sie deiner Bewerbung aber helfen.
Wichtig ist, beides auseinanderzuhalten: Es gibt keine Pflicht, das Formular auszufüllen - aber was du angibst, muss bei zulässigen Fragen wahr sein. Falschangaben bei erlaubten Fragen können den Mietvertrag später angreifbar machen.
Was gehört in die Selbstauskunft?
Eine vollständige Selbstauskunft enthält die Angaben, die der Vermieter braucht, um deine Eignung und Zahlungsfähigkeit einzuschätzen. Dazu zählen typischerweise:
- Persönliche Daten: Name, aktuelle Anschrift, Geburtsdatum und Kontaktdaten.
- Beruf und Arbeitgeber: deine Tätigkeit und bei wem du beschäftigt bist. Nach der Dauer der Beschäftigung darf der Vermieter laut den Datenschutzaufsichtsbehörden nicht fragen.
- Nettoeinkommen: die Höhe deines regelmäßigen Einkommens. Nachweise wie Einkommensnachweise darf der Vermieter erst verlangen, wenn er sich für dich entschieden hat.
- Anzahl der einziehenden Personen: wie viele Menschen die Wohnung beziehen.
- Haustiere: sofern für die Wohnung relevant (Kleintiere wie Hamster sind ohnehin frei).
- Räumungstitel und erhebliche Mietrückstände: ob in den letzten fünf Jahren eine Räumungsklage wegen Mietrückständen mit einem Räumungstitel endete und - erst wenn der Vermieter sich für dich entschieden hat - ob im bisherigen Mietverhältnis erhebliche Rückstände bestanden.
Eine vollständige Übersicht aller Dokumente, die du für die Bewerbung zusammenstellen solltest, liefert die Checkliste für die Wohnungsbewerbung. Das passende Formular füllst du kostenlos im Browser aus: Mieterselbstauskunft kostenlos ausfüllen, als PDF, Word oder zum Drucken.
Erlaubte und unzulässige Fragen im Überblick
Der rote Faden ist einfach: Erlaubt ist, was einen sachlichen Bezug zum Mietverhältnis hat - also Fragen rund um Zahlungsfähigkeit, Personenzahl und einen ordentlichen Vertragsverlauf. Tabu ist alles, was in deine Privatsphäre eingreift, ohne für die Vermietung relevant zu sein. Die folgende Tabelle ordnet die häufigsten Fragen ein:
| Thema | Erlaubt | Tabu |
|---|---|---|
| Einkommen, Beruf & Arbeitgeber | ja | - |
| Dauer der Beschäftigung | - | ja, tabu |
| Anzahl einziehender Personen | ja | - |
| Räumungstitel wegen Mietrückständen (letzte fünf Jahre) | ja | - |
| Erhebliche Mietrückstände im bisherigen Mietverhältnis (Umfang, der eine fristlose Kündigung rechtfertigen würde) | ja, nach Auswahlentscheidung | - |
| Eröffnetes, noch nicht abgeschlossenes Insolvenzverfahren | ja | - |
| Name oder Kontaktdaten früherer Vermieter | - | ja, tabu |
| Familienplanung / Schwangerschaft | - | ja, tabu |
| Religion, Parteizugehörigkeit, Herkunft | - | ja, tabu |
| Gesundheit, Vorstrafen (ohne Bezug) | - | ja, tabu |
| Heiratsabsichten / sexuelle Orientierung | - | ja, tabu |
Faustregel: Geht es um Geld, Personenzahl oder den ordentlichen Ablauf eines früheren Mietverhältnisses, ist die Frage in der Regel zulässig. Geht es um deine persönliche Lebensführung, Weltanschauung oder Gesundheit, ist sie es fast nie.
Warum manche Fragen verboten sind: DSGVO und Datensparsamkeit
Die Grenze ergibt sich aus dem Datenschutzrecht. Nach der DSGVO gilt der Grundsatz der Datenminimierung: Ein Vermieter darf nur die Daten erheben, die für den konkreten Zweck - hier den Abschluss und die Durchführung des Mietvertrags - tatsächlich erforderlich sind. Alles, was darüber hinausgeht, ist unzulässig. Besonders sensibel sind die in Artikel 9 DSGVO geschützten Daten: Angaben zu Gesundheit, religiöser oder weltanschaulicher Überzeugung, ethnischer Herkunft, politischer Meinung oder sexueller Orientierung. Solche Fragen haben in einer Selbstauskunft grundsätzlich nichts verloren. Wie die Aufsichtsbehörden das für Mietinteressenten konkret einordnen, beschreibt die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz (Version 2.0, Januar 2026), an der sich dieser Ratgeber orientiert.
Auch der zeitliche Rahmen zählt: Nach Auffassung der Datenschutzbehörden sind etwa Fragen nach Räumungstiteln nur für die letzten fünf Jahre zulässig, und nach Namen oder Kontaktdaten früherer Vermieter darf nicht gefragt werden. Wie diese Datenschutzgrundsätze konkret auch beim Ausstellen von Nachweisen greifen, erläutert der Ratgeber Mietschuldenfreiheitsbescheinigung und Datenschutz.
Dein Recht auf Falschauskunft bei unzulässigen Fragen
Das klingt überraschend, gilt aber nach überwiegender Ansicht (aus dem Arbeitsrecht übertragen): Stellt der Vermieter eine unzulässige Frage, darfst du bewusst falsch antworten - ohne dass dir daraus Nachteile entstehen dürfen. Der Vermieter kann den Mietvertrag später nicht mit der Begründung anfechten, du hättest bei einer verbotenen Frage gelogen. Denn die Frage hätte schlicht nie gestellt werden dürfen. Wer auf die Frage nach einer geplanten Schwangerschaft, der Religion oder einer (mietrechtlich irrelevanten) Vorstrafe die Unwahrheit sagt, muss also in der Regel nichts befürchten. Die Datenschutzbehörden formulieren zurückhaltender: Unzulässige Fragen müssen nicht beantwortet werden. Daneben schützt dich das Gesetz vor Benachteiligung, etwa wegen der Herkunft (§ 19 AGG).
Bei zulässigen Fragen gilt das Gegenteil: Hier musst du wahrheitsgemäß antworten. Wer bei erlaubten Fragen - etwa zum Einkommen, zu bestehenden Mietschulden oder zu einem laufenden Räumungsverfahren - falsche Angaben macht, riskiert ernste Folgen. Stellt sich die Lüge heraus, kann der Vermieter den Mietvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten und unter Umständen kündigen.
| Art der Frage | Wie du antworten solltest |
|---|---|
| Zulässige Frage (z. B. Einkommen, Mietschulden) | Wahrheitsgemäß - Falschangaben sind riskant und anfechtbar |
| Unzulässige Frage (z. B. Schwangerschaft, Religion) | Du musst sie nicht beantworten; nach überwiegender Ansicht darfst du sie sogar falsch beantworten |
Welche Nachweise gehören dazu?
Eine Selbstauskunft überzeugt erst dann wirklich, wenn du sie mit Belegen unterfütterst. Die wichtigsten Nachweise, die du bereithalten kannst:
- Einen aktuellen Einkommensnachweis, etwa eine Gehaltsabrechnung, nicht benötigte Angaben geschwärzt.
- Eine aktuelle SCHUFA-Bonitätsauskunft in der Variante für Vermieter als Beleg deiner Zahlungsfähigkeit.
- Eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung deines bisherigen Vermieters, falls du eine hast. Sie ist freiwillig und kann deiner Bewerbung helfen.
- Den Personalausweis legst du bei Bedarf zur Identitätsprüfung vor. Eine Kopie ist dafür nicht nötig; gibst du doch eine heraus, kennzeichne sie als Kopie (§ 20 PAuswG) und schwärze nicht benötigte Angaben wie Zugangs- und Seriennummer.
Auch hier gilt das Prinzip der Datensparsamkeit: Du musst nicht ungefragt alle Unterlagen auf einmal herausgeben. In der ersten Phase reicht die Selbstauskunft selbst. Einkommensnachweise und Bonitätsauskunft darf der Vermieter nach Auffassung der Datenschutzbehörden erst verlangen, wenn er sich für dich entschieden hat - quasi unmittelbar vor der Unterschrift unter den Mietvertrag. Freiwillig früher beilegen darfst du sie trotzdem.
So überzeugt deine Selbstauskunft
Das Formular ist deine Visitenkarte - mit ein paar einfachen Punkten hebst du dich vom Bewerberfeld ab:
- Vollständig ausfüllen: Lass keine zulässigen Pflichtfelder leer. Lücken wirken, als hättest du etwas zu verbergen.
- Leserlich und sauber: Tippe das Formular, wenn möglich, oder schreibe gut lesbar. Ein ordentliches Dokument signalisiert Zuverlässigkeit.
- Nachweise bereithalten: Einkommensnachweis und Bonitätsauskunft hast du griffbereit, sobald der Vermieter sich für dich entscheidet. Eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung kannst du freiwillig gleich beilegen. Wie du alles zu einem PDF bündelst, zeigt die Bewerbungsmappe als ein PDF zusammenstellen.
- Ehrlich bei erlaubten Fragen: Bestehen frühere Mietschulden, ist eine offene, kurze Erklärung besser als eine Lüge, die später auffliegt. Wie du mit offenen Rückständen trotzdem überzeugst, zeigt der Ratgeber Neue Wohnung trotz Mietschulden.
- Persönlich abrunden: Ein kurzes, freundliches Anschreiben macht dich greifbar. Weitere Hebel zeigt der Ratgeber Unterlagen für die Wohnungsbewerbung: Checkliste mit Tipps.
Häufige Fragen zur Mieter-Selbstauskunft
Bin ich verpflichtet, eine Selbstauskunft auszufüllen?
Nein, eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Faktisch ist die Selbstauskunft aber Standard - wer sie verweigert, hat auf einem angespannten Wohnungsmarkt kaum Chancen. Was du angibst, muss bei zulässigen Fragen jedoch der Wahrheit entsprechen.
Darf der Vermieter nach meinem Einkommen fragen?
Ja. Die Frage nach dem Nettoeinkommen hat einen klaren Bezug zum Mietverhältnis, weil der Vermieter deine Zahlungsfähigkeit beurteilen muss. Diese Angabe gehört zu den zulässigen Fragen und sollte wahrheitsgemäß erfolgen.
Darf nach einer geplanten Schwangerschaft gefragt werden?
Nein. Familienplanung und Schwangerschaft sind unzulässige Fragen ohne Bezug zum Mietverhältnis. Du musst sie nicht beantworten; nach überwiegender Ansicht kann der Vermieter den Vertrag auch nicht anfechten, wenn du hier unzutreffend antwortest.
Muss ich frühere Mietschulden angeben?
Ja, sofern zulässig gefragt wird: Zulässig sind nach Auffassung der Datenschutzbehörden Fragen nach Räumungstiteln wegen Mietrückständen aus den letzten fünf Jahren und, wenn der Vermieter sich für dich entschieden hat, nach erheblichen Rückständen aus dem bisherigen Mietverhältnis. Falschangaben sind hier riskant, weil der Vermieter den Vertrag bei arglistiger Täuschung anfechten kann. Ein eröffnetes, noch nicht abgeschlossenes Insolvenzverfahren musst du angeben, hier sehen die Datenschutzbehörden eine Offenbarungspflicht; wie du dann bei der Wohnungssuche vorgehst, erklärt der Ratgeber Wohnungssuche nach Privatinsolvenz.
Darf der Vermieter eine SCHUFA-Auskunft verlangen?
Ja, aber erst, wenn er sich für dich als Mieter entschieden hat, und nur eine Auskunft, die speziell für die Wohnungsanmietung gedacht ist - nicht die vollständige Datenkopie nach Art. 15 DSGVO. Legst du eine solche Bonitätsauskunft selbst vor, darf der Vermieter in der Regel nicht zusätzlich selbst bei einer Auskunftei abfragen. Eine Einwilligung in eine eigene Abfrage darf er nicht zur Bedingung machen.
Was passiert, wenn ich bei einer erlaubten Frage lüge?
Stellt sich die Falschangabe bei einer zulässigen Frage heraus, kann der Vermieter den Mietvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten und unter Umständen kündigen. Bei erlaubten Fragen solltest du daher immer ehrlich bleiben.
Muss ich meinen Personalausweis vollständig kopieren?
Nein, eine Kopie brauchst du in der Regel gar nicht. Zur Identitätsprüfung reicht es nach Auffassung der Datenschutzbehörden, den Ausweis vorzuzeigen; eine Kopie anzufertigen ist dafür nicht erforderlich. Gibst du freiwillig eine Kopie heraus, kennzeichne sie als Kopie und schwärze nicht benötigte Angaben wie Zugangs- und Seriennummer.
